Das Bild der Stadt

Die riesige Medienfassade des M+ macht das Gebäude zu einer kuratierten, sich stetig verändernden Ausstellungsplattform. Von weit her sichtbar, positioniert sie das Museum in Hong Kongs bewegter Skyline.

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Überblick

Das M+ ist Asiens erstes globales Museum für zeitgenössische visuelle Kultur. Das von Herzog & de Meuron in Zusammenarbeit mit TFP Farrels und Arup entworfene Gebäude befindet sich im Kowloon Cultural District im Zentrum Hongkongs. Die gegen Hongkong Island gerichtete, hochaufragende Fassade zeigt Medienkunst, die von nah und fern zu sehen ist. So entfaltet das Museum eine signifikante Wirkung im urbanen Raum der Grossstadt. iart entwickelte die Medienfassade in Zusammenarbeit mit Herzog & de Meuron.

Kunst im öffentlichen Raum

Die M+-Fassade zeigt sowohl eigens entwickelte Werke als auch Kunst aus der Sammlung und macht so auf die vielfältigen Programme des Museums aufmerksam. Die dynamische Mischung von Werken bieten Tausenden von Zuschauern Momente des Spiels, des Humors und der Poesie. Partizipative und performative Arbeiten beziehen das Publikum über digitale Plattformen mit ein, während andere mit langsamen und hektischen filmischen Sequenzen spielerisch die Plastizität der Zeit zelebrieren. Seit der Eröffnung im November 2021 waren zwei eigens entwickelte Auftragsarbeiten zu sehen: Ellen Paus «The Shape of Light» und «Touch for Luck» von Moniker. Viele weitere werden folgen.

Erscheinung der Fassade

Die hochaufragende Fassade misst 65.8m in der Höhe und 110m in der Breite. Die gesamte Fläche ist von grünlichen Terrakotta-Modulen bedeckt, die die Architekten Herzog & de Meuron eigens entwickeln liessen. An der dem Victoria Harbour zugewandten Seite sind sie mit Rillen versehen, in die zwei Arten von LED-Leuchten eingelassen sind. Zusammen bilden sie ein hybrides Display-System, das es ermöglicht, die Bespielungen unter verschiedenen Lichtverhältnissen und von sehr unterschiedlichen Winkeln und Entfernungen aus zu erkennen. So sind die Kunstwerke in den Abendstunden sowohl vom umliegenden Kunstpark als auch von Hong Kong Island aus zu sehen. Dabei verändert sich auch die Tiefenwirkung der Fassade: Bei grösserer Helligkeit erscheint sie noch als semitransparente Struktur. In der Dunkelheit erscheint sie dagegen vollständig opak.

Technische Fakten

  • Fassadenfläche: 7’238m²
  • Höhe: 65.8 Meter
  • Breite: 110 Meter
  • Virtuelle Bildauflösung: 2816x1686 Pixel
  • 118 physische LED-Reihen
  • Jede 14 virtuelle Pixelreihe wird faktisch angezeigt
  • In jeder Reihe sind 2100 low-power LEDs (Nahsicht) und 716 high-power LEDs (Fernsicht)
  • Physische Distanz der Pixel: horizontal 15cm, vertikal 56cm
  • Farbtiefe: 24bit

Hybrider Display

Um eine gute Erkennbarkeit aus verschiedensten Winkeln und Entfernungen zu gewährleisten, entwickelte iart ein System mit verschiedenen LEDs. So sind in den horizontalen Rillen der Fassade jeweils vier nah nebeneinander angeordnete LEDs mit breitem Abstrahlwinkel und ein LED mit engem Abstrahlwinkel angeordnet. Die Fassade liefert also ein hochaufgelöstes, breitstreuendes Bild für alle Blickwinkel aus der Nähe und ein gröber aufgelöstes, starkes Signal für den Blick aus der Ferne. Zudem misst ein Lichtsensor die Qualität des Umgebungslichts und liefert Kalibrierungsdaten, mit denen Helligkeit und Farbtemperatur des Videosignals an die aktuelle Lichtsituation angepasst werden. Um die Wirkung der Fassade präzise zu antizipieren, wurden im Entwicklungsprozess verschiedene Tests mit physischen Mockups und vorgefertigten Fassadenelementen durchgeführt (siehe Video sowie Interview mit Valentin Spiess im M+ Magazine).

Bespielungssystem

iart entwickelte eine Echtzeitsimulation, mit der die Wirkung der Kunstwerke getestet und optimiert werden kann, bevor sie auf der Fassade zu sehen sind. Dabei können die Lichtverhältnisse, Sichtwinkel und Distanzen variiert werden, um die Blicke aus ganz unterschiedlichen Positionen im städtischen Raum zu antizipieren. So werden die Erwartungen der Künstlerinnen und Künstler mit den realen Bedingungen abgeglichen.

  • Eröffnung

    2022

  • Ort

    Hong Kong

  • Kunde

    West Kowloon Cultural District Authority

  • Partner

    Herzog & de Meuron

  • Leistungen

    LichtplanungFachplanungPrototypingSystementwicklungSystemintegrationAnforderungsmanagementMedientechnische Planung

  • Auszeichnung

    • Media Architecture Biennale Awards

      Winner

Weitere Projekte